Der Liebewicht: Von Liebe, Fettnäpfchen und guten Absichten

Der Liebewicht erzählt mit Humor von Liebe, Beziehungen und kleinen Missverständnissen. Er meint es gut, versteht nicht alles sofort und überrascht doch immer wieder.

Der Liebewicht meint es gut. Das ist schon einmal eine ziemlich gute Voraussetzung für eine Beziehung, allerdings noch lange keine Garantie dafür, dass dabei auch alles gutgeht. Er liebt, bemüht sich, denkt nach und schafft es trotzdem mit erstaunlicher Sicherheit, genau dort ins Fettnäpfchen zu treten, wo andere längst einen großen Bogen darum machen. Und gerade wenn man glaubt, er habe wirklich gar nichts verstanden, überrascht er plötzlich mit einem Gedanken, der zeigt: Ganz so ahnungslos ist der Liebewicht vielleicht doch nicht.

Der Liebewicht


Der Liebewicht: Von Liebe, Fettnäpfchen und guten Absichten

Der Liebewicht gehört zur Welt der Ausruhezeichen. Er ist ein sympathischer Zeitgenosse, ein wenig unbedarft, gelegentlich hilflos und mit einem besonderen Talent dafür ausgestattet, eigentlich harmlose Situationen komplizierter zu machen.

Dabei möchte er überhaupt nichts falsch machen. Im Gegenteil. Er möchte verstehen, was sein Gegenüber meint, angemessen reagieren und im richtigen Augenblick vielleicht sogar genau das Richtige sagen.

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Das klappt unterschiedlich gut.

Der Liebewicht kennt diese Momente, in denen ein Satz im eigenen Kopf noch ausgesprochen vernünftig klingt und man bereits am Gesicht des anderen erkennt, dass er dort offenbar völlig anders angekommen ist. Er kennt Fragen, auf die er voller Überzeugung eine ehrliche Antwort gibt, bevor ihm dämmert, dass Ehrlichkeit gerade möglicherweise eine etwas feinere Dosierung gebraucht hätte.

Und er kennt Situationen, in denen jeder im Raum längst verstanden hat, worum es eigentlich geht. Fast jeder.

Der Liebewicht findet zuverlässig jedes Fettnäpfchen

Es gibt Menschen, die spüren Gefahren frühzeitig. Sie erkennen einen kritischen Blick, hören den Unterton in einer Bemerkung und wissen genau, wann es besser wäre, einfach freundlich zu lächeln und den Mund zu halten.

Der Liebewicht gehört eher nicht dazu.

Er beantwortet die Frage, ob ihm die neue Frisur gefällt, möglicherweise ausführlicher als erforderlich. Er versucht zu erklären, warum ein vergessener Jahrestag eigentlich gar nichts über seine Gefühle aussagt. Und wenn sein Gegenüber sagt, es sei „alles in Ordnung“, besteht durchaus die Möglichkeit, dass er erleichtert nickt und glaubt, das Problem sei damit erledigt.

Das macht ihn allerdings nicht gleichgültig.

Der Liebewicht will niemanden verletzen. Er ist auch kein selbstgefälliger Besserwisser, der sich für besonders schlau hält. Seine kleinen Katastrophen entstehen gerade deshalb, weil er sich bemüht und dabei gelegentlich mit bemerkenswerter Präzision die falsche Abzweigung nimmt.

Das macht ihn menschlich. Denn wer hat noch nie etwas gesagt und bereits drei Sekunden später gedacht: Das hätte ich jetzt vielleicht anders formulieren sollen? Wer hat noch nie einen Hinweis übersehen, eine Stimmung falsch eingeschätzt oder erst Stunden später verstanden, was der andere eigentlich sagen wollte?

Beim Liebewicht passiert das lediglich etwas häufiger.

Liebe ist schließlich auch nicht ganz einfach

Beziehungen bestehen nicht nur aus großen Liebeserklärungen, romantischen Abenden und dem gemeinsamen Blick in den Sonnenuntergang. Sie bestehen auch aus Zahnpastatuben, unterschiedlichen Vorstellungen von Pünktlichkeit, merkwürdigen Antworten, vergessenen Kleinigkeiten und der erstaunlichen Fähigkeit zweier Menschen, dasselbe Gespräch vollkommen unterschiedlich in Erinnerung zu behalten.

Genau dort fühlt sich der Liebewicht wohl.

Seine Geschichten entstehen aus kleinen Situationen, die eigentlich gar nicht besonders groß sein müssten. Einer sagt etwas. Der andere versteht etwas anderes. Eine Erwartung wurde nie ausgesprochen und soll trotzdem selbstverständlich erkannt werden. Eine harmlose Bemerkung trifft plötzlich einen empfindlichen Punkt.

Und mittendrin steht der Liebewicht. Er schaut ein bisschen ratlos. Er versucht zu verstehen, was gerade passiert ist. Dann sagt er möglicherweise noch etwas.

Das verbessert die Situation nicht zwingend.

Der Liebewicht ist deshalb keine Anleitung für die perfekte Beziehung. Er erklärt auch nicht, wie Liebe richtig funktioniert. Dafür ist er selbst viel zu sehr damit beschäftigt, das herauszufinden.

Er erlebt Beziehungen eher so, wie sie im Alltag eben passieren: widersprüchlich, komisch, liebevoll, anstrengend und gelegentlich vollkommen absurd.

Ganz so ahnungslos ist der Liebewicht dann doch nicht

Gerade wenn man beschlossen hat, von ihm keine größeren Erkenntnisse mehr zu erwarten, passiert etwas Überraschendes.

Plötzlich versteht er.

Vielleicht sagt er keinen besonders klugen Satz. Vielleicht hält er ausnahmsweise einfach den Mund. Vielleicht hört er zu, ohne sofort eine Lösung anzubieten. Oder er merkt, dass es gerade überhaupt nicht darum geht, wer recht hat.

Dann zeigt sich für einen kurzen Moment, dass hinter seiner unbeholfenen Art mehr steckt.

Der Liebewicht braucht für manche Erkenntnis möglicherweise einen kleinen Umweg. Gelegentlich auch einen größeren. Und manche Lektion schaut er sich vorsichtshalber mehrfach an, bevor er sie wirklich behält.

Aber er lernt.

Diese kleinen Hoffnungsschimmer gehören genauso zu ihm wie seine Fettnäpfchen. Denn eine Figur, die immer nur alles falsch macht, wäre irgendwann ziemlich langweilig. Der Liebewicht darf überraschen. Er darf plötzlich etwas verstehen, das man ihm gerade nicht zugetraut hätte.

Vielleicht liegt darin sogar ein Teil seines Charmes.

Er ist kein hoffnungsloser Fall.

Er ist eher ein hoffnungsvoller Fall mit gewissen Schwierigkeiten bei der praktischen Umsetzung.

Wenn man lacht und sich kurz danach selbst erkennt

Der Liebewicht darf lustig sein. Er darf übertreiben, stolpern, falsch verstehen und mit voller Überzeugung einen Satz sagen, bei dem alle anderen bereits ahnen, dass die nächsten Minuten interessant werden könnten.

Der Witz soll dabei niemanden bloßstellen.

Es geht um Situationen, die viele Menschen kennen. Um die kleinen Absurditäten des Beziehungsalltags und um unsere erstaunliche Fähigkeit, bei anderen sofort zu erkennen, was gerade schiefläuft, während wir bei uns selbst gelegentlich deutlich länger brauchen.

Deshalb kann hinter einer Geschichte mit dem Liebewicht auch ein ernster Gedanke stecken.

Vielleicht lachst du zuerst darüber, wie er eine Situation wieder einmal völlig falsch einschätzt. Und kurz danach fällt dir ein, dass du vor zwei Wochen etwas erstaunlich Ähnliches gemacht hast.

Dann wird aus dem kleinen Witz ein Gedanke. Nicht schwer und nicht belehrend. Einfach einer, der kurz hängen bleibt.

Der Liebewicht bleibt Der Liebewicht

Er wird auch weiterhin Fettnäpfchen finden. Vermutlich sogar solche, die andere vorher gar nicht gesehen haben.

Er wird Dinge falsch verstehen, Signale übersehen und gelegentlich Antworten geben, die technisch betrachtet vielleicht richtig sind und trotzdem besser nie ausgesprochen worden wären. Er wird sich wundern, warum sein Gegenüber plötzlich so guckt, und erst ein wenig später begreifen, welchen Anteil er daran haben könnte.

Aber zwischendurch wird er wieder überraschen.

Mit einer kleinen Geste. Mit einem unerwartet treffenden Gedanken. Mit einem Moment, in dem plötzlich deutlich wird, dass er mehr verstanden hat, als sein vorheriges Verhalten vermuten ließ.

Denn der Liebewicht ist am Ende vor allem eines: jemand, der es versucht.

Er liebt nicht perfekt. Er versteht nicht alles. Er macht Fehler und landet regelmäßig dort, wo er eigentlich überhaupt nicht hinwollte.

Und trotzdem gibt er sich Mühe.

Vielleicht mögen wir ihn genau deshalb. Vielleicht erkennen wir sogar ein kleines bisschen von uns selbst in ihm.

Und wer weiß: Vielleicht braucht die Liebe neben all dem Verstehen, Reden und Zuhören gelegentlich auch jemanden, über den wir gemeinsam ein bisschen schmunzeln können. Übrigens stammt er aus Erkeltown von Arno Ostländer. Bücher, Projekte und mehr findest du hier.